Nullacht-Talent Jareem Khawaja stellt den Fußball derzeit noch hinter sein politisches Engagement und seine Aktivitäten in der von ihm gegründeten Hilfsorganisation


Ein SV 08 Comeback will er keinesfalls ausschließen.
Worauf er sich derzeit allerdings stärker konzentriert erfahren Sie im nachfolgenden Interview.  

JR: Hallo Jareem, du hast von klein auf beim SV 08 und über vier Jahre im DFB-Stützpunkt in Tiengen und Lauchringen gespielt. Du wurdest mehrfach in den Kader der Südbadischen Auswahl berufen. Zahlreiche Spieler deines Jahrgangs haben im Sommer den Sprung von der A-Jugend in den Kader der 1. Mannschaft geschafft und haben dort auch schon vielversprechende Einsätze hinter sich.

Um dich ist es in den letzten Monaten in Sachen Fußball eher etwas ruhiger geworden. Umso mehr konnte man in der Presse von deiner Kandidatur als Abgeordneter für den Bundestag aber auch von deinem Engagement in dem von dir gegründeten Verein „myBIGGESTwish“ lesen.

Hast du die Fußballkarriere beendet? Erzähl uns doch bitte mal, warum bei dir der Fußball eher in den Hintergrund geraten ist und worin der Schwerpunkt deiner derzeitigen Aktivitäten liegt.

JK: Mich freut es sehr zu sehen, wie viele meiner Fußball-Kollegen den Sprung in die 1. Mannschaft erfolgreich geschafft haben. Ich habe schon einige Spiele vor Ort angeschaut und wünsche den Jungs weiterhin alles Gute! Tatsächlich habe ich für mich persönlich in letzter Zeit entschieden, meinen Fokus auf andere Projekte zu legen. Zum Beispiel auf eine Kandidatur für den Bundestag, mein Studium der Elektrotechnik an der ETH Zürich oder eben auf die, gemeinsam mit Freunden im Clubheim des SV 08s gegründeten, Hilfsorganisation myBIGGESTwish e.V. Dies und eine langwierige Verletzung am Knie haben mich gezwungen meine „Fußball-Karriere“ vorübergehend an den Nagel zu hängen. Allerdings arbeite ich aktuell daran, meine Verletzung und Fitness in den Griff zu bekommen, um baldmöglichst wieder für den SV 08 auf dem Platz stehen zu können.

JR: Schön zu hören, dass du am SV 08 Comeback arbeitest. Ich hoffe und würde mich freuen, dich schon bald wieder auf dem Platz im Waldstadion zu sehen. Nun aber erst einmal zu deinem politischen Engagement. Im Alter von 19 Jahren als Bundestagsabgeordneter zu kandidieren ist schon sehr außergewöhnlich, war aber sicher eine gute Erfahrung für dich. Warst du mit dem Wahlergebnis zufrieden oder hattest du dir mehr erhofft?

JK: Ja, ich war sehr zufrieden mit meinem Ergebnis! Wir konnten uns sowohl bei der Erst- als auch bei der Zweitstimme hier im Wahlkreis Waldshut/Hochschwarzwald deutlich verbessern. Mir ging es dabei jedoch mehr um die Erfahrungen, die ich im Wahlkampf und darüber hinaus sammeln konnte. Ich durfte viele neue, spannende Persönlichkeiten und Blickwinkel kennenlernen, was mir in Zukunft sicherlich von Nutzen sein wird. Es waren also sehr interessante und lehrreiche, aber auch anstrengende Monate.

JR: Aber jetzt hat wohl erst einmal das Studium in Zürich Vorrang nehme ich an? Wie lange wird es bis zum Abschluss dauern und hast du schon ein bestimmtes Berufsziel?

JK: Naja, nicht ganz. Ich teile meine Zeit relativ gleichmäßig auf all meine Hauptaktivitäten auf. Dazu zählt neben dem Amt als Vorsitzender der Hilfsorganisation myBIGGESTwish und einigen Projekten unternehmerischer Art auch das Studium in Zürich dazu. Wenn alles so läuft wie geplant, sollte ich dieses im Sommer 2023 mit einem Bachelor of Science (B.Sc. ETH) in Elektrotechnik und Informationstechnologie abschließen. Langfristig weiß ich, dass ich mich in der Energietechnik spezialisieren und voraussichtlich als Ingenieur im Bereich der Erneuerbaren Energien – speziell Solar- und Speichertechnologien – arbeiten möchte.

JR: ok und parallel bist du auch noch Stellvertretender Vorsitzender des FDP Kreisverbands Waldshut. Du bist 2019 in die FDP eingetreten. Was hat dich eigentlich zur FDP hingezogen?

JK: Ich habe mich in sehr jungen Jahren bereits für politische Themen interessiert. Im Vorfeld zur Bundestagswahl 2017 habe ich mich dann intensiv mit den verschiedenen Parteien auseinandergesetzt und mir wurde relativ schnell klar, dass es mich ins liberale Lager ziehen würde.

Vor allem die Ideen von der Stärkung des Individuums und der einhergehenden Verantwortung, sozialem Aufstieg durch Chancengleichheit und wirksamem Klimaschutz durch Innovation haben es mir angetan. So kam es, dass ich 2017 den Jungen Liberalen und 2019 dann der FDP beigetreten bin.

JR: Der Ampel-Koalitionsvertrag steht seit wenigen Tagen. Was ist in diesem Vertrag deiner Meinung nach die größte Errungenschaft der FDP und wo musste sie die größten Abstriche machen?

JK: Ich sehe uns als einer der Gewinner aus den Koalitionsverhandlungen herausgehen. Sowohl finanzpolitisch (keine Steuererhöhungen, Einhalten der Schuldenbremse, mehr Investitionen in Klimaschutz, Digitalisierung und Bildung), innenpolitisch (Entbürokratisierung, Wählen ab 16, Legalisierung von Cannabis, keine symbolpolitischen Verbote), als auch sozialpolitisch (Aktienrente) konnten wir uns mit wichtigen Punkten durchsetzen. Trotz einiger Kompromisse, wie das Festhalten am Ausstieg aus dem Verbrennermotor, obwohl es mit synthetischen Kraftstoffen eine saubere Alternative gäbe, oder der Absage an ein Digitalministerium finde ich den Vertrag der Ampel-Koalition gelungen und ich freue mich auf frischen Wind in der Politik der nächsten Jahre.

JR: Große Themen über die man auch noch diskutieren könnte. Nun aber zu einem Thema das mich besonders interessiert. Letztes Jahr hast du den Verein myBIGGESTwish ins Leben gerufen. Was bezweckt der Verein und was hat dich entscheidend dazu bewegt, diesen Verein zu gründen?

JK: Nach meinem Abitur 2019 am Scheffel-Gymnasium in Bad Säckingen ging ich zunächst auf Reisen, wobei ich unter anderem auch das ehemals kommunistische Kambodscha in Südostasien besuchen durfte. Dort hat mich das Ausmaß an Armut und die unmittelbar räumliche Nähe zwischen sauberer Shoppingmall mit Starbucks, McDonald’s & Co. für Touristen und den, aus Abfällen konstruierten, Unterkünften der Einheimischen überwältigt. Als mich dann einer der Einheimischen zu sich “nach Hause” eingeladen hatte, damit sein 4-jähriger Sohn am Ende um ein bisschen Geld für die Familie betteln konnte, entschloss ich mich dazu, selbst etwas dagegen unternehmen zu wollen. Mit der Hilfe einiger Freunde haben wir dann im September 2020 die Hilfsorganisation myBIGGESTwish e.V. gegründet.

JR: Welche Vereinsphilosophie verfolgt euer Verein und was ist euch besonders wichtig?

JK: Das Ziel ist es, bedürftigen Menschen und Familien in Entwicklungsländern den größten Wunsch zu erfüllen, um deren Leben nachhaltig zu verbessern. Dies kann zum Beispiel eine notwendige Operation, Schulausrüstung oder auch ein Fußballtrikot sein.

JR: Was macht euch als Verein besonders?

JK: Uns waren dabei zwei Werte besonders wichtig: Erstens, dass wirklich 100% der Spenden vor Ort ankommen. Das schaffen wir nur, indem die Vereinsarbeit hier vor Ort (Website, Kuchenverkäufe, Events etc.) durch die Beiträge unserer – Stand jetzt – 70 Mitglieder gestemmt wird und die Reisekosten von uns selbst übernommen werden.

Zweitens, dass wir so transparent wie möglich sind. Das bedeutet, dass jeder Spender (sofern er eine E-Mail-Adresse angegeben hat) nach unserem Projekt eine Nachricht über die Verwendung seines Geldes (inklusive Bild) erhalten wird.

Generell werden alle erfüllten Wünsche, die durch Spendengelder finanziert worden sind, auf unserer Website (www.mybiggestwish.org) veröffentlicht.

JR: Wie genau geht ihr bei der Suche nach bedürftigen Menschen vor? Sucht ihr die selbst aus oder geschieht das über Verbindungsleute vor Ort?

JK: Teils, teils. Wir erhalten Hinweise von unseren Partnern vor Ort, wo sich besonders bedürftige Menschen aufhalten. Zum Beispiel bestimmte Straßenschulen, Kinderheime oder Krankenhäuser. Diese besichtigen wir dann selbst und schauen, wie wir den Menschen dort am besten helfen können.

JR: Und zunächst konzentriert sich eure Hilfe auf Pakistan, richtig?  

JK; Wir nehmen uns immer ein bestimmtes Land als Projekt vor, für welches wir dann Spendengelder sammeln und mit diesen im Gepäck selbst hinreisen. Ansonsten wäre der administrative Aufwand für uns zu groß, da das ganze Unterfangen selbstverständlich ehrenamtlich neben Schule, Studium oder Job läuft.

JR: Habt ihr schon eine Liste mit Menschen/ Familien, die ihr unterstützen wollt bzw. konnte euer noch junger Verein bereits Wünsche erfüllen?

JK: Bestimmte Personen haben wir noch nicht auf einer Liste gesammelt. Wir wissen aber schon von einigen Institutionen in Karachi (größte Stadt in Pakistan), welche wir besuchen möchten. So zum Beispiel das SIUT, eines der größten Dialyse-Krankenhäuser der Welt mit jährlich mehr als 10 Millionen Patienten, wo wir einige lebensnotwendige Operationen finanzieren möchten.

JR: Bist du mit dem Start des Vereins (Mitgliederstand, Spendenaufkommen) zufrieden?
Was ist dein Wunsch fürs kommende Vereinsjahr?

JK: Ich bin unglaublich glücklich darüber, wie meine anfangs unausgereifte Idee aufgenommen und unterstützt worden ist. Ich hätte niemals zu träumen gewagt, gleich bei unserem Debütprojekt eine fünfstellige Summe mitnehmen zu dürfen. Auch über unsere Mitgliederentwicklung freue ich mich sehr! Stand jetzt hat myBIGGESTwish 70 Mitglieder, Tendenz steigend. Ziel für 2021 und 2022 ist es, die Marke von 100 bzw. 250 zu knacken. Ich hoffe natürlich, dass auch dieses Interview dazu anregt, uns mit einer Mitgliedschaft zu unterstützen.

JR: Ja, dann danke ich dir für das Interview, wünsche eurem Verein viel Erfolg und vielleicht kann ich hier auf der Homepage ja schon bald von deinem Comeback im Trikot des SV 08 berichten.

JK: Vielen Dank für die Möglichkeit, myBIGGESTwish hier vorzustellen.

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