JR: seit 57 Jahren bis du Mitglied unseres Vereins, warst 10 Jahre lang 1. Vorsitzender und 2 Jahre Vereinspräsident. Zuletzt machten wir uns etwas Sorgen um deine Gesundheit, bis du am 6. Dezember kurz nach deiner Entlassung aus der Klinik in Bad Krozingen überraschend zum letzten Heimspiel unserer ERSTEN im Waldstadion erschienen warst. Kaum aus der Klinik entlassen schon wieder am Platz. Es muss dir schon verdammt viel am SV 08 liegen. Was ist es, was dich nach all den Jahrzehnten immer noch an den Nullachtern fasziniert?
WW: Ja ich habe mich schon während meines Klinikaufenthalts auf das nächste Spiel gefreut, an das Zusammensein mit anderen Fans, vor allem aber finde ich die Spiele toll, den Kampfgeist und die Spielkultur.

Der Verein war mir auch nach meinem Ausscheiden aus der Vorstandschaft immer wichtig. Während einer AH-Reise habe ich Kurt Grieshaber gebeten wieder beim SV 08 einzusteigen. Er übernahm dann das Amt des 2. Vorsitzenden und bald darauf wurde er zum 1. Vorsitzenden gewählt. Seither und bis heute ist der SV 08 ohne ihn nicht vorstellbar. Kurt ist ein begnadeter Unternehmer und Vereinsführer.
JR: Du warst 1. Vorsitzender als unsere ERSTE in der 1. Amateurliga im Waldstadion vor durchschnittlich 800 Zuschauern spielte. Gibt es eine Begegnung/Ereignis oder ein Spiel, an das du dich besonders gern zurück erinnerst?
WW: Die größte Freude war zweifelsfrei 1971 der Aufstieg in die 2. Amateurliga. Wir waren dann „Wer“ am Hochrhein. In der damaligen 1. Amateurliga haben wir tolle Spiele erlebt. Eines der besten war ein Sieg gegen FC 08 Villingen – Der Präsident von Villingen hat vor dem Spiel gemeint, wir sollen bloß nicht „Eppingen“ mit ihnen spielen. Der VfB Eppingen hatte kurz davor im DFB Pokal überraschend gegen den Hamburger SV gewonnen. So hatte er wohl das Kräfteverhältnis zwischen dem FC 08 Villingen und dem SV 08 eingeordnet.
JR: Apropos Villingen! Im März trifft das SV 08 Team nach langer Zeit mal wieder in einem Pflichtspiel auf die Nullachter vom Schwarzwald. Diesmal geht es um den Einzug ins Pokal-Halbfinale. Vielleicht gibt es ja ein zweites Eppingen!?
WW: Das hoffe ich sehr. Wir sind sicher nicht chancenlos!
JR: Gibt es etwas, was dich in den letzten fünf Jahrzehnten besonders enttäuscht hat?
WW: Ja, der 15 Punktabzug im Jubiläumsjahr war wohl die größte Enttäuschung während meiner langen Mitgliedschaft. Der Punkteabzug war angesichts eines lapidaren Formfehlers einfach nur ungerecht und alles andere als verhältnismäßig.
JR: Dein Wunsch für 2026?
WW: Ich hoffe ich kann noch recht lange ins Waldstadion kommen.
Das von Wolfgang Wittmann erwähnte Spiel gegen den hoch favorisierten FC 08 Villingen konnte im SV 08 Archiv gefunden werden. Die Begegnung im Waldstadion fand am 27. Oktober 1974 statt (Eppingen hatte den HSV übrigens am 26. Oktober aus dem Pokal geworfen). 928 Zuschauer wollten das Spiel der beiden Nullachter sehen. Erich Hönig und Horst Küppers hatten die Begegnung mit ihren Toren nach 0:1 Rückstand noch gedreht.


Der Villinger Jürgen Marek wurde nach Ende der Saison von Bayern München unter Vertrag genommen.
