Erkan Aktas sah sich 2010 mit dem SV 08 schon fast in der Kreisliga ehe er sein Team zu einer Landesliga-Spitzenmannschaft formte

Erkan Aktas (43) übernahm 2009 das Amt des Chef-Trainers unserer 1. Mannschaft, nachdem diese im Sommer erstmals nach 38 Jahren mit der Bezirksliga vorlieb nehmen musste. Nach sehr schwierigem Start mit der Gefahr noch eine weitere Klasse tiefer zu rutschen, führte er das Team 2013 in die Landesliga zurück.

JR: Hallo Erkan, wie geht`s beruflich und privat?
EA: Hallo Jürgen. Vielen Dank für das Interview. Ich wohne mit Manu und Noa in Bad Säckingen und fühle mich in der Kurstadt sehr wohl. Ich arbeite als Business Engineer bei einem IT-Dienstleister in Basel und bin aktuell im Nachwuchsleistungszentrum des FC Basel in der U17 tätig.

JR: Ich habe hier ein Foto gefunden, auf dem du mit Frank Thomae genüsslich an einer Zigarre ziehst. Erinnerst du dich?

Erkan Aktas mit Frank Thomae im Sommer 2010 nach Realisierung des Klassenerhalts

EA: Natürlich erinnere ich mich an das Foto. Das war meine erste Saison als Trainer, und wir haben uns am vorletzten Spieltag vor dem Abstieg in die Kreisliga gerettet. In der Hinrunde haben wir kaum Punkte geholt, in der Rückrunde standen wir mit dem Rücken zur Wand, und wenn ich mich recht erinnere, war der Abstieg fast sicher. Wir konnten dann aber die Klasse doch noch halten, weil wir eine sehr starke Rückrunde gespielt haben, und dann schmeckt eine Zigarette natürlich umso besser.

JR: 2009 hast du das Traineramt beim SV 08 übernommen. Wie kam es eigentlich dazu, dass du den Job übernommen hast?
EA: Während der Saison 2008/09 war ich als Spieler beim FC Wehr aktiv und stand in regelmäßigem Austausch mit Thomas Rudigier. Zu dieser Zeit hegte ich den Wunsch, die Rolle des Trainers einzunehmen. Dennoch empfand ich noch eine starke Freude am Fußballspielen und fühlte mich nicht bereit, ausschließlich als Trainer tätig zu sein. Daher entschied ich mich vorerst, die Doppelrolle als Spieler und Trainer zu übernehmen. Diese Entscheidung erwies sich jedoch sowohl für mich persönlich als auch für das Team als suboptimal. Bereits früh in der Saison beschloss ich daher, meine Fußballschuhe an den Nagel zu hängen und mich vollständig auf die Trainerrolle zu konzentrieren.

JR: Für den SV 08 war es nach 38 Jahren überbezirklichen Fußballs die erste Bezirksliga-Saison. Viele rechneten mit dem sofortigen Wiederaufstieg. Am Ende wurde es ein Kampf um den Klassenerhalt. Nach der Vorrunde lag die Mannschat am Tabellenende. Nur dank einer überragenden, nahezu ungeschlagenen Rückrunde konntet ihr den Abstieg verhindern. Wie würdest du heute diesen eklatanten Unterschied zwischen Vor- und Rückrunde erklären.
EA: Die Ausgangslage gestaltete sich für einen sehr jungen und unerfahrenen Trainer äußerst herausfordernd. Einerseits befand sich das Team noch im Glanz vergangener Zeiten, während andererseits junge, ehrgeizige Spieler neben älteren, erfahreneren Spielern im Kader standen, die bereits diese erfolgreichen Zeiten miterlebt hatten. Die Zusammensetzung des Kaders und die angestrebte Spielweise passten nicht harmonisch zusammen. Es dauerte eine Weile, bis ich diese Diskrepanz erkannte und die nötigen Anpassungen vornehmen konnte. Entscheidend war, dass Thomas Rudigier und Thomas Werne zu jener Zeit uneingeschränkt an meiner Seite standen und Geduld bewahrten. Das erste Jahr als SV08-Trainer hat mich maßgeblich geprägt und meine Entwicklung vorangetrieben, auf deren Grundlage ich in den folgenden Jahren aufbauen konnte.

JR: In der Folge ging es dann Jahr für Jahr aufwärts. Bis zur Rückkehr in die Landesliga vergingen allerdings noch drei weitere Jahre. Welche Ereignisse aus dieser Zeit sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
EA: Dass von Jahr zu Jahr eine Mannschaft mit mehr jungen, talentierten und entwicklungswilligen Spielern aufgebaut wurde, die auch die Spielidee qualitativ weiterentwickelten. Der nachhaltige Aufbau der Mannschaft und die Art und Weise, wie wir spielen wollten, hat uns sofort in einer höheren Liga etabliert und der positive Trend hat auch alle Beteiligten weiter motiviert, viel Energie in die Sache zu investieren. Was sicher in Erinnerung bleiben wird, war unser für eine BZL/LL breit aufgestellte Staff. Wir wurden damals oft belächelt, aber es hat sich gezeigt, dass auch im Amateurbereich eine gezielte Rollen- und Aufgabenverteilung nicht nur zu mehr Qualität führt, sondern auch, dass man mehrere Ideen und Projekte gleichzeitig anstoßen kann und der Verein wie auch das Team davon profitieren kann.

JR: Nach zwei Spielzeiten in der Landesliga, die ihr mit Platz 4 und Platz 6 beendet hatten, kam ein Angebot des FC Aarau. Eine neue Aufgabe im Nachwuchsbereich eines Proficlubs wartete auf dich. Wie verliefen dann die nächsten Jahre für dich. Welche Erfahrungen hast du während dieser Zeit gemacht?
EA: Die Anfrage des FC Aarau war nur möglich, weil der SV 08 mir die Zeit gab, mich als Trainer zu entwickeln. Es hat mir auch geholfen, in dieser Zeit meine Lizenzen zu absolvieren und die Inhalte in die Praxis umzusetzen. Diese Erfahrung war Gold wert und ich bin heute noch dankbar für das Vertrauen und die Geduld, die mir damals entgegengebracht wurde.

Der Wechsel zum FC Aarau war für mich der nächste Schritt auf dem Weg, mein Hobby zum Beruf zu machen. In den drei Jahren beim FC Aarau lag der Fokus auf der Entwicklung der Talente und vor allem auf der Heranführung der definierten Top-Talente an das professionelle Niveau. Der andere Schwerpunkt war, nicht ergebnisorientiert zu arbeiten, sondern die einzelnen Athleten zu entwickeln, was sehr interessant war, weil man sich mit detaillierten Themen und einer sehr tiefen Materie auseinandersetzt und sich mit anderen Nachwuchsmitarbeiter, sei es Trainer, Talentmanager, Nachwuchsleiter oder auch Verantwortliche beim Schweizerischen Fussballverband, austauscht, um die Talente maximal zu fördern. Natürlich war es für mich auch sehr spannend zu erleben, wie sich die Zahnräder in einem Profiverein drehen und wie sich die Menschen in einem solch dynamischen Umfeld verhalten.

JR: Zahlreiche Trainer aus dem Nachwuchsbereich haben irgendwann auch den Sprung in den Profibereich geschafft. Wäre das auch ein Schritt, der für dich  in Frage käme?   
EA: Das könnte ich mir gut vorstellen, wenn alle Punkte stimmen würden. Man muss sich nur bewusst sein, dass man bei diesem Schritt offen für die Zukunft sein muss, was den Standort angeht. Es kann gut gehen und du bleibst in Deinem familiären Umfeld oder du musst wegziehen. Das muss gut überlegt sein, denn es betrifft nicht nur Dich, sondern auch die Familie.

JR: Seit 2 Jahren bist du nun im Nachwuchsbereich FC Basel und dort insbesondere für die U17 tätig. Letzte Woche bist du mit dem Team aus eurem Trainingslager in Alicante zurück gekehrt. Der Job scheint also recht aufwendig zu sein. Wie oft trainiert die U17 und wie weit sind die Entfernungen zu den Auswärtsspielen?
EA: In der vergangenen Saison war ich Teil des Trainerstabs der U21-Mannschaft. Nach der Neuausrichtung, bei der die U21 in die Profiabteilung integriert wurde, wurde mir die Möglichkeit geboten, in Vollzeit zu arbeiten. Gemeinsam mit meiner Familie haben wir diese Option sorgfältig geprüft, jedoch letztendlich dagegen entschieden. Seit dieser Saison bin ich Teil des Trainerstabs der U17-Mannschaft, und mein Arbeitsaufwand ist vergleichbar mit dem der U21. Die Wochenstruktur ist in allen U-Mannschaften gleich: sechs Trainingseinheiten (zwei am Morgen und vier am Nachmittag) sowie ein Spiel am Wochenende. Meine Verantwortlichkeiten umfassen die vier Nachmittagseinheiten, das Spiel, Turniere und Trainingslager. Unsere Spiele finden auf nationaler Ebene statt, was bedeutet, dass sie über die gesamte Schweiz verteilt sind.

JR: Wie lässt sich dieser aufwendige Trainerjob mit deinem Beruf vereinbaren? 
EA: Es ist nicht möglich, beide Stellen zu 100 % zu erfüllen. Deshalb habe ich zwei Teilzeitstellen, eine bei der WAGNER AG und eine beim FC Basel. Beide Arbeitgeber zeigen Flexibilität und Verständnis, wodurch es mir möglich ist, beide Aufgaben zu bewältigen.

JR: Dem Team U17 gehört auch der Ramin Aamdi an, der vor drei vier Jahren noch beim JFV Region Laufenburg gespielt hat. Wie entwickelt er sich?
EA: Ramin ist ein engagierter Spieler, der eine längere Verletzungspause hinter sich hat und nun nach erfolgreicher Rehabilitation wieder aktiv ist. Jetzt gilt es für ihn, verletzungsfrei zu bleiben und gezielt an den Bereichen zu arbeiten, die seine Weiterentwicklung vorantreiben.

JR: Dein Sohn Noa spielt, wenn ich richtig informiert bin in der F-oder D Jugend des JFV Region Laufenburg. Soweit ich weiß unterstützt du auch dort das Trainerteam?
EA: Noa ist aktuell in der D-Jugend aktiv, und ich habe Fabio Cocuzza angeboten, ihn nicht nur am Mittwoch zum Training zu begleiten, sondern auch aktiv zu unterstützen. Darüber hinaus haben wir gemeinsam mit dem Trainerstab der D-Jugend versucht, eine Trainingsphilosophie zu entwickeln, die den Spielern in ihrer Entwicklung hilft und dem Trainerteam als Leitfaden für die Nachbesprechung dient. Diese Erfahrung ist besonders spannend für mich, da ich zum ersten Mal mit dieser Altersgruppe arbeite. Es bereitet mir große Freude zu sehen, wie sich die Jungs sowohl spielerisch als auch mental weiterentwickeln.

JR: Die sportliche Situation bei den Jugendteams des JFV sieht derzeit nicht sehr rosig aus. Wie beurteilst du die Entwicklung der letzten Jahre?
EA: Es wäre unangemessen, eine allgemeine Aussage über die Entwicklung des JFV zu treffen. Jedoch ist es wichtig zu untersuchen, warum Kinder aufhören oder den Verein verlassen. Aus meiner Perspektive scheint es nicht nur beim JFV, sondern auch anderswo vorzukommen, dass Jugendtrainer oft alleine gelassen werden und ihnen zu viel Freiraum gegeben wird. Viele Jugendtrainer legen einen starken Fokus auf Ergebnisse, was sich negativ auf die Kinder auswirken kann. Andererseits fällt mir auf, dass oft zu komplex gedacht wird, anstatt den Kindern und Jugendlichen in einem organisierten und strukturierten Umfeld einfach Fußball spielen zu lassen und sie dabei mit ein paar grundlegenden Prinzipien zu unterstützen. Die Kinder und Jugendlichen möchten einfach nur Fußball spielen, und ich habe den Eindruck, dass einige Trainer sich zu sehr in den Mittelpunkt stellen, anstatt das Feld den Spielern zu überlassen.

JR: Ich gehe mal davon aus, dass du das Geschehen beim SV 08 nach wie vor mit Interesse verfolgst. Konntest du diese Saison schon mal ein Spiel der ERSTEN verfolgen?
EA: Leider hatte ich in dieser Saison noch nicht die Gelegenheit, ein Spiel zu sehen, aber es steht definitiv auf meiner Agenda. Aus der Ferne beobachte ich das Geschehen und hatte vor Kurzem einen sehr interessanten Austausch mit dem aktuellen Trainer Miggi über verschiedene Fußballthemen. Er ist ein äußerst sympathischer, bodenständiger und wissbegieriger Trainer, der sehr gut zum SV08 passt. In Kombination mit Nobby als sportlichem Leiter braucht sich der SV08 für die Zukunft keine Sorgen machen.

JR: Kannst du dir vorstellen, irgendwann auch mal wieder eine Funktion beim SV08 oder beim JFV zu übernehmen?
EA: Ich habe doch eine Funktion beim JFV :-). Spaß beiseite, momentan steht dies nicht zur Debatte, aber man weiß nie, vielleicht ergibt sich in Zukunft die Möglichkeit, wenn ich die Zeit aufbringen kann, dass ich beratend unterstützen kann.

JR: Vielen Dank für das Interview und weiterhin alles Gute!
EA: Danke dir

Nach oben scrollen