Wir haben gelernt, dass „Lebensstandard“ noch lange nicht „Lebensqualität“ bedeutet. SV 08 Trikots sollen vermutlich einer fußballbegeisterten Insel zugute kommen

Timo Jankowski ist nach seinem seit seinem Umzug auf die Fidschi-Inseln ersten Heimatbesuch längst wieder an seine neue Wirkungsstätte zurückgekehrt. In einem Kurzinterview berichtet  er nochmals sehr eindrücklich von seinem neuen Leben 16.000 km Luftlinie von hier entfernt.

JR: Hallo Timo, ich hab neulich von deinem Kurzbesuch an Weihnachten gehört. Wie ich weiß, sind zwischenzeitlich ein paar Pakete mit Sportbekleidung auf dem Weg zu euch. Wird sicher noch ein paar Wochen dauern, bis du sie in Empfang nehmen kannst.

Der beeindruckenden Doku des ZDF vor einem Jahr konnten wir ja entnehmen, dass es offenbar eine gute Familien-Entscheidung war, euch auf den Fidschi-Inseln eine neue Existenz aufzubauen. Wie sieht es nun ein Jahr später aus? Läuft alles zu eurer Zufriedenheit sportlich wie privat? 

TJ: Hallo Jürgen, vielen lieben Dank für deine Nachricht. Schön von dir zu hören. Ich habe mich sehr gefreut! Wir sind nun bereits über 3 1/2 Jahre hier und konnten so Einiges bewegen. U.a. haben wir Jugendligen ab der U9 und landesweit Talent Stützpunkte ähnlich der DFB Stützpunkte aufgebaut und gerade diese Woche die erste Vollzeit Akademie für die 16 größten Talente zwischen 12-15 Jahren eröffnet. Zudem  konnten wir uns für die U20 Männer- und U20 Frauen-WM qualifizieren und spielen dieses Jahr die U17 WM in Qatar. Der Unterbau hat sich sogar schneller positiv entwickelt als gedacht.

Foto eines Auswahlteams beim Besuch der Außenministerin Annalena Baerbock im Mai 2024

Mit der Männer Nationalmannschaft haben wir uns mittlerweile im FIFA Ranking um über 30 Plätze verbessert und spielen im März für die WM Qualifikation im Halbfinale gegen Neuseeland (01. März 2025) also „nur noch“ ein Spiel weg von der direkten WM Qualifikation oder dem Play-Off Platz. Das Spiel wird allerdings schwierig, da Neuseeland die klare Nummer 1 in Ozeanien ist und mittlerweile einen Pool von über 80 Profis auf der ganzen Welt haben. Unser einziger Profi Roy Krishna der in Indien spielt fällt verletzt aus. Wir hoffen aber gerade mit dem Erfolg im Nachwuchs 2030 anzugreifen.

Meiner Familie geht es auch super. Die Kinder gehen hier alle in eine lokale Schule. Wir sind hier in einem großen Umkreis die einzige weiße Familie. Wir bekommen also das richtige Fiji Leben und die Kultur voll mit. Meine Frau Sina, die aus Laufenburg ist, hat sich ebenfalls super eingelebt und unterstützt mich bei der Arbeit, gerade was das Verteilen der Sachspenden angeht. Fiji ist neben den tollen Ferien-Inseln ein 3. Welt-Land und die meisten Menschen haben keine Schuhe, eine Hose und ein Shirt, das sie am Körper tragen.

Timo mit Ehefrau Sina und den drei Töchtern

In unserer Akademie in Ba (Stadt in Fidschi auf der Insel Viti Levu) trainieren wir täglich zwischen 80-100 Kinder, die mittlerweile alle eine Sportausstattung durch Sachspenden erhalten haben. Meine Idee für die Sachen vom SV 08 ist eine fußballbegeisterte Insel oder abgelegene Community auszusuchen, wo die Menschen kaum eine Chance auf Fußballbekleidung haben. Wir werden dann definitiv Bilder schicken…

Ich schicke dir anbei noch ein paar weitere Fotos, u.a. von den Solomon Inseln, wo ich einige Sachen verteilt habe, Ich habe eigentlich immer ein paar Bälle und Trikots im Gepäck und verteile die, wenn ich auf fußballbegeisterte Kinder und Jugendlich treffe.

Gekickt wird meist barfuß -das fördert das Ballgefühl

JR: Die Solomon-Inseln liegen aber nicht in deinem Zuständigkeitsbereich!?
TJ: Nein da war ich mit er A-Nationalmannschaft bei einem Turnier

JR: Gibt auf den Inseln auch Kritiker bzw. Gegenströme, die euere Arbeit behindern oder erschweren? Oder anders gefragt: wird euer Projekt auch ausreichend unterstützt?

TJ: Gegenströme gibt es insofern, dass Rugby der klare Nationalsport ist, in dem Fiji zur absoluten Weltklasse zählt (2 x Olympiasieger im Rugby 7s). Statt Rugby als Konkurrenz zu sehen bin ich auf den Rugby Verband zugegangen um mehr zu lernen und sie waren sehr offen und positive gestimmt. Die Rugby 7s trainieren zum Beispiel regelmäßig in den Sanddünen mit einem ganz speziellen Training das eine Art Geheimnis für ihren Erfolg ist.

Das habe ich für den Fußball adapters und alle 3 Junioren Nationalteams, die sich für die WM qualifiziert haben übernommen. Wir haben in den Sanddünen eine wichtige Grundlage für unseren aggressiven Spielstil  entdeckt. Das ist extrem gut angekommen. Man muss hier in Fiji sehr flexibel sein.

Training in den Sanddünen nach dem Vorbild der Rugby Profis

JR: Gibt es in eurem doch sehr veränderten Leben etwas was ihr besonders vermisst? Wie steht es z.B. um die ärztliche Versorgung im Land?

TJ: Wir haben uns mittlerweile sehr gut eingelebt. Anfangs war es schon ein Kultur-Schock. Die Extreme Zürich, wo ich tätig war, der vermutlich reichsten Stadt der Welt, und hier im Fiji „Dschungel“ könnten kaum weiter auseinander sein. Aber der „Verzicht“ hat unser Leben definitiv bereichert und wir haben gelernt das „Lebensstandard“ noch lange nicht „Lebensqualität“ bedeutet. Die meisten Menschen hier würden wir als extrem arm einstufen sind aber im Schnitt trotzdem mehr happy als ein „Westler.“ Das ist sicherlich eine der wichtigsten Sachen die wir gelernt haben.
Vermissen tun wir in dem Sinn nichts aber schätzen z.B. ein paar schöne deutsche Rindsrouladen noch viel mehr als früher. Und statt Arzt setzen wir auf einen gesunden Lebensstil als Prävention. Es ist schon extrem schwierig hier gute Ärzte zu finden. Viele Spieler mit Knieverletzungen haben leider deswegen oft ein vorzeitiges Karriereende, da es keine Spezialisten gibt.

JR: Dann wünsch ich dir und deiner Familie weiterhin ein glückliches Leben am anderen Ende der Welt und viel Erfolg in deinem Bemühen den fidschianischen Fußball weiter nach vorne (WM 2030!) zu bringen. 

TJ: Vielen Dank und ganz viele liebe Grüße an alle 08er. Ich verfolge die Ergebnisse immer noch aus der Ferne und habe mich sehr gefreut Frank und Michael, Dennis Schikowksi, Norbert Schneider, Peter Bernauer auf meinem Heimatbesuch zu treffen und ganz vielen lieben Dank für die tolle Unterstützung und an Herrn Grieshaber die Sachen werden garantiert bei den richtigen Leuten ankommen. Ich melde mich  wieder mit Fotos sobald die Trikots hier eintreffen bzw. verteilt werden.

JR: Ohh hab grad festgestellt, dass es bei euch erst 05.30 Uhr ist. Ich hoffe ich hab dich mit meiner letzten WhatsApp Nachricht nicht geweckt!?
TJ: Nein, nein ich stehe immer früh um 05.00 Uhr auf. Bei dem Wetter fällt mir das leicht. Hier hat kaum jemand eine Uhr „Fiji Time“ und abends kaum Beleuchtung, weshalb die Menschen sich stark nach Sonnenauf- und Sonnenuntergang richten.

Nachfolgend noch ein paar weitere beeindruckende Fotos von Timo

Vorher-Nachher

SV 08 Laufenburg Saison 2007/2008
Timo Jankowski mittlere Reihe vierter von links

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